Zurück aus der Sommerpause: Blitzlichtgewitter aus Schweden
Nun sind wir schon einige Zeit aus Schweden zurück und so langsam können wir all das Erlebte in Worte fassen. Die Begegnungen und Entdeckungen, die Abenteuer und Geschichten. Wir haben fast unzählige Fotos mitgebracht: unsortiert deutlich im 5stelligen Bereich… Da haben wir uns natürlich noch lange nicht ganz durchgeackert, aber einen Überblick konnten wir uns schon mal verschaffen.
Einige unserer Erlebnisse und fotografischen Ergebnisse möchten wir heute mit euch in Form eines „Blitzlichtgewitters“ teilen: Unsere Highlights kurz und knapp mit vielen Fotos dazu. Viel Freude beim Lesen und Fotos Anschauen!
Ersatzmotive im Moor
Eines unserer ersten Ziele auf dem Weg in den Norden war ein Moor, das wir schon letztes Jahr einmal besucht hatten. Hier wollten wir unbedingt noch mal Sterntaucher fotografieren. Schon kurz nach unserer Ankunft konnten wir sie schon hören, ihre klagenden Rufe schallten durch den Wald. Doch, um es vorweg zu nehmen, wir schafften es drei Tage lang nicht, eines dieser Tiere vor die Linse zu bekommen.
Mit der Zeit machte sich schon ein bisschen Frust breit, aber was hilft das schon? Also schauten wir uns vor Ort nach anderen Möglichkeiten um: Andere Wasservögel, das Lichtspiel zwischen den Bäumen, Sonnentau und so weiter. Am Ende waren wir doch überrascht, welche Motivpalette sich uns hier bot, wo wir doch eigentlich mit einer ganz klaren Vorstellung hier angehalten hatten…









Falken am Felsen und tierisches Treiben
Wir hatten wirklich Glück dieses Jahr. Wir haben einen uns schon länger bekannten Spot mal wieder angefahren, um vor allem Unglückshäher zu fotografieren. Doch in der Naturschutzstation („Naturum“) hat Daniel einfach mal nach Tipps für Vogelfotografie gefragt – und siehe da, es gab tatsächlich einiges Neue. Die nette Dame erzählte uns, dass in der Nähe an einem Felsen Falken gebrütet haben und die Jungvögel noch nicht abgezogen seien. Sie würden dort immer wieder auftauchen. Auch von den Unglückshähern erzählte sie und in diesem Zusammenhang erwähnte sie auch die Vogelfütterung direkt vor der Tür, die sie seit einiger Zeit betrieben. Dadurch sind immer wieder viele Vögel, darunter auch die hübschen Häher, gut zu beobachten.
Das hörte sich für uns nach einem Plan an, also machten wir uns auf den Weg zum genannten Felsen. Schon bevor wir dort ankamen, hörten wir die jungen Falken betteln. Und kurze Zeit später sahen wir sie immer wieder an der Felskante entlangfliegen. Was für ein Schauspiel! Für unser mitgebrachtes Frühstück hatten wir kaum Zeit. Wenn gerade der Kaffee eingegossen war, flog schon wieder der nächste Falke vorbei. Fotografen-Stress pur! 😉
Nachdem der Sensor bereits kräftig am Glühen war, machten wir uns auf den Weg an die Stelle, wo wir einige Jahre zuvor Unglückshäher beobachten und fotografieren konnten. Doch was uns hier erwartete, war absolute Stille, zumindest in der Vogelwelt. Unglückshäher sind eigentlich dafür bekannt, sich gerne in der Nähe von Menschen aufzuhalten, besonders wenn sie sich gerade Essen machten… Und es waren einige Menschen da, die sich – wie in Schweden üblich – Hotdogs oder Ähnliches auf dem Feuer zubereiteten. Doch die Häher hatten wohl heute kein Hunger auf Würstchen… Also machten wir uns auf den Weg zurück zum Naturum, wo gleich einiges los war.
Neben Erlenzeisigen konnten wir dort Gimpel, verschiedene Meisen, Kleiber und viele andere Vögel beobachten. Nach einiger Zeit kamen auch ein paar Unglückshäher vorbei, sodass wir doch noch zu unseren erhofften Bildern kamen. Die Krönung waren wohl die vier Eichhörnchen, die eins nach dem anderen an der Fütterung auftauchten. Auch ihnen scheint das Körnerfutter gut zu schmecken. Nach vielen weiteren Stunden machten wir uns dann auf den Weg zum Auto. Karten voll, Akku leer…











Rentiere!
Ein weiterer Spot, den wir schon aus einer unserer vorherigen Reisen kannten: Ein Fjäll, in dem wir schon damals Rentiere sichten und fotografieren konnten. Schon vor unserer diesjährigen Anreise hatten wir gehört, dass sich dort dieses Jahr wirklich viele Rens aufhalten sollen. Okay, dachten wir, dann haben wir ja eine realistische Chance auf Rens. Realistische Chance? Schon auf dem Weg hoch zum Parkplatz begegneten wir unzähligen dieser kleinen Hirsche mit dem imposanten Geweih. Wir entschieden uns, in einer kleinen Bucht am Straßenrand zu parken und dort erstmal zu frühstücken – mit Blick auf das Fjäll und die Rens.
Danach hielt uns natürlich nichts mehr im Camper. Wir schnappten uns unsere langen Linsen und gingen auf Motivsuche. Heftiges Hitzeflimmern erschwerte die ganze Angelegenheit, doch mit der Zeit zogen immer mehr Wolken auf, sodass das Flimmern sich deutlich reduzierte. An diesem Tag machten wir kaum Strecke. All unsere Motive fanden wir im Umkreis von vielleicht 70m um den geparkten Camper herum.
Als wir eine kurze Rast im Windschatten eines Hügels machten, hörten wir auf einmal kräftiges Schnauben und Schritte. Was war das?! Wir drehten uns um und blickten einem mindestens genau so erstaunten Rentier direkt in die Augen – vielleicht noch so 6 Meter von uns entfernt. Es blickte uns argwöhnisch an, schnupperte und entschied sich dann doch lieber, den Abstand wieder zu vergrößern. Gemeinsam mit seinen „Kumpels“ zog er dann in ungefähr 20 Metern Entfernung hinter uns her. Was für ein krasses Erlebnis! Auch wenn Rens sicherlich nicht so scheu sind wie Elche oder andere Hirscharten, ist eine so nahe Begegnung mit einem wild lebenden Tier schon etwas Besonderes.









Flussseeschwalbe
Wir hatten eine größere Wanderung gemacht, mal wieder in ein Fjäll (und ja, es regnete auf dem Hin- und auf dem Rückweg ;-)). Dort, so hatten wir gehört, solle es in einem Birkenwald einige Vögel geben, die man wohl auch gut fotografieren kann. Damit haben wir uns ehrlich gesagt etwas schwer getan, vielleicht haben wir auch die richtige Stelle nicht gefunden. Doch die beiden Seen, von denen wir ebenfalls gehört hatten, waren nicht zu verfehlen. Schon während wir unseren wohl verdienten Kaffee am Ufer tranken, konnten wir einige Vögel beobachten, insbesondere Flussseeschwalben, die immer wieder den gleichen Punkt am Ufer anflogen.
Nachdem wir das einige Zeit beobachtet hatten, entschieden wir uns, vorsichtig nachzuschauen, warum sie immer wieder dort hinflogen. Und es blieb uns nicht lange verborgen: Dort saß eine junge Seeschwalbe, die von den beiden Alttieren hier gefüttert wurde. Begeistert beobachteten wir das Treiben und konnten noch einige Seeschwalbenbilder machen.








Eine Einladung
Wir hatten uns ein Ziel ausgesucht, das sich allerdings von unserem momentanen Standpunkt aus recht weit im Norden befand. Wir spielten mit dem Gedanken, dort eine mehrtätige Wanderung zu machen. Mit Zelt und Kamera und allem drum und dran. Wir hatten alles dabei, um so ein Vorhaben zwei Tage lang durchzuziehen. Doch wir entschieden uns, auch auf Grund des regnerischen und windigen Wetters, noch einen Zwischenstopp einzulegen. Und was sollen wir sagen: Das war die beste Entscheidung, die wir hätten treffen können. Spoiler: Das ursprüngliche Ziel haben wir auf dieser Reise nicht mehr angesteuert…
Und so suchten wir uns eines Abends einen Platz an einem See. Das klingt idyllisch, war es aber nicht. Der Parkplatz befand sich am Straßenrand, ein Auto neben dem anderen – und es war voll. Egal, morgen gucken wir uns das hier an und dann fahren wir weiter, so der Plan. Und so machten wir es. Am nächsten Morgen suchten wir uns eine Route aus, an einem Wasserfall vorbei (der völlig überfüllt mit Menschen war – wir suchten gleich das Weite…) durch hübsche kleine, knorrige Wäldchen bis zur norwegischen Grenze. Und irgendwie muss man es als Mensch doch machen oder? Einmal über die Grenze laufen, zu Fuß in ein anderes Land! Und wo wir schon mal da waren, gingen wir auch ein paar Meter hinein, suchten uns ein schönes Plätzchen. Die Landschaft hier ist karg, wir befinden uns oberhalb der Baumgrenze im Fjäll, mit Blick auf eine beeindruckende Bergformation.
Wir schlürften Kaffee und stärkten uns ein wenig. Die Sonne schien und es war der letzte, nicht zu windige Tag. Also schlossen wir ein wenig die Augen und genossen den Moment. Immer wieder hörten wir aus der ferne einen Goldregenpfeifer rufen. Wir freuten uns total über diese Beobachtung. Irgendwann beschlossen wir, dass wir mal so langsam den Rückweg antreten sollten. Noch schnell ein paar Fotos vom Fjäll und dann – was war das? Ein riesiges Gezeter, ein Falke, der im Tiefflug über uns hinweg zieht und Rufe eines aufgeregten Goldregenpfeifers auf kurzer Distanz! Schnell schauten wir uns um und fanden ihn perfekt auf einem Stein sitzend.
Wir konnten es einfach nicht glauben und waren überglücklich, als wir die ersten schiefen Belegbilder im Kasten hatten. Er saß noch immer da. Also vorsichtig hinlegen und noch ein paar Bilder gestalten, bevor er wieder weg ist. Und noch die Position optimieren. Und noch hier und da eine Kleinigkeit perfektionieren. Er saß noch immer da! Daniel, der ein Stück weiter von ihm weg saß, robbte vorsichtig heran. Der schöne Vogel ließ sich davon nicht beeindrucken. Eher wirkte er neugierig. Was machen diese zweibeinigen Wesen mit dem schwarzen Ding am Kopf da? Wir machen es kurz: Der Vogel saß über zwei Stunden (!!) auf diesem Stein und beobachtete uns. Wir hingegen konnten uns langsam um ihn herum bewegen, konnten Objektive tauschen und einen Ersatzakku aus dem Rucksack organisieren.
Es war ein absoluter Glücksfall. So etwas ist uns noch nie passiert. Irgendwann bekam der Goldregenpfeifer wohl Hunger, denn er verließ seinen Stein und flitzte im für ihn bekannten Rhytmus „laufen-stoppen-picken“ Stück für Stück davon. Was für ein tolles Gefühl, ein Tier so lange zu beobachten und es am Ende noch nicht einmal vertrieben zu haben! Gänsehaut.
Und wie wir so unsere Sachen zusammen packten und noch einmal den Blick auf das Fjäll genossen, fühlten wir uns irgendwie eingeladen. Eingeladen vom Goldregenpfeifer: „Kommt doch hierher zum Zelten – es ist so schön hier!“ Und was sollen wir sagen? Wir blieben eine ganze Woche an Ort und Stelle. Doch mehr zu unserem Aufenthalt dort und unserem kleinen Zeltabenteuer lest ihr im nächsten Blog – wie immer in 14 Tagen hier.
Bis dahin, bleibt gesund und kreativ!
Daniel & Christine











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