Dran bleiben! (Ein Motivationsartikel)

Dran bleiben! (Ein Motivationsartikel)

Vor kurzem haben wir einen Wochenendtrip an den Dollart gemacht, eine große Bucht im Wattenmeer ganz im Nordwesten Deutschlands. Es hatte uns auf Grund einer Familienfeier dorthin verschlagen. Da wir beide noch nicht häufig dort oben waren, klärten wir vorher ab, an welcher Stelle wir ans Wasser können, um vielleicht Sandstrukturen, ein paar Wellen und mit etwas Glück auch Möwen und Watvögel zu fotografieren. Wir entschieden uns dann für eine Stelle, die nicht allzu weit von unserer Unterkunft entfernt war, damit wir nach der Anreise nicht noch so viel Extrastrecke fahren müssen. Glücklicherweise handelte es sich hier quasi um Parkplatzfotografie, wie wir schon auf Google im Vorfeld feststellen konnten. Parken, über den Deich laufen, Wellen und Vögel im Abendlicht fotografieren. Das war der Plan.

Ernüchterung

Als wir dann vor Ort ankamen, empfing uns typisch ostfriesisches Wetter: Es war eiskalt, dicke Regenwolken hingen in der Luft, der Wind pfiff so kräftig, dass wir vorsichtshalber nacheinander ausstiegen, damit die Autotüren sich nicht selbstständig machen. Wir packten also unsere Sachen zusammen und gingen, leicht vorgebeugt, um dem Wind zu trotzen, den Deich hoch. Was wir von oben sahen, war doch sehr ernüchternd. Das Wasser war vom Sturm aufgewühlt und eigentlich nur noch eine matschbraune Plörre. Der Deich reichte bis ins Wasser und war auf seinen letzten Metern mit dunklen, großen Steinen befestigt. Seetang überwucherte den gesamten Uferbereich. Der Sandstrand, den wir auf dem Satellitenbild erkannt hatten, war ein schmaler, kurzer Streifen von vielleicht 3×20 Meter. Von der goldenen Stunde war weit und breit nichts zu sehen.

Situation vor Ort: braunes, aufgewühltes Wasser, Steine, Seetang…

Wende

Ich wäre an der Stelle eigentlich schon fertig gewesen. Ich war müde vom Tag auf der Arbeit, die Fahrt war auf Grund der heftigen Regenschauer selbst als Beifahrerin anstrengend und jetzt auch noch diese wirklich unfotogene Szenerie. Dabei brauchte ich doch dringend noch ein paar spezielle Bilder für ein anstehendes Projekt! So ein Mist!

Daniel war da zum Glück etwas sachlicher unterwegs. Er schaute sich ein wenig um und meinte, dass der Seetang doch vielleicht auch etwas hergab. Es half ja nichts. Also packten wir aus und probierten ein wenig herum, was man aus der vor uns liegenden Landschaft herausholen kann. Ich war nicht wirklich großer Hoffnung, dass da was bei rum kommt. Aber wo ich schon mal da war, konnte ich es ja auch probieren. Nachdem der erste Plan mit dem Seetang nicht so wirklich aufging, probierte ich mich an einem meiner Lieblingssujets: ICMs von Wellen.

Versöhnung

Auch Daniel war schon damit beschäftigt. Und wie durch ein Wunder riss eine kleine Stelle am wolkenverhangenen Himmel auf und ließ für einen kleinen Moment das lila-orange Licht einer angestrahlten Wolke durch. Aber auch, als der Himmel wieder sein schönstes Grau präsentierte, blieben wir dran und hatten am Ende doch ein paar ganz passable Bilder im Kasten. So konnten wir uns doch noch mit der Situation vor Ort versöhnen. 😊

Wer hätte das gedacht? Bei dem ersten Anblick dieser trostlosen Szene… Noch vor Ort habe ich über alles nachgedacht. Wie sehr es sich doch lohnt, einfach mal dran zu bleiben! Nicht gleich das Handtuch werfen, sich nicht von dem blenden lassen, was man glaubt zu sehen, sondern einfach mal alle Vorurteile über Bord werfen und sehen, was passiert. – Das funktioniert übrigens nicht nur in der Fotografie, sondern auch im „echten“ Leben. 😉

Also, in diesem Sinne, bleibt dran und lasst euch nicht von euren Plänen abbringen!

Eure Christine

2 Kommentare
  • Michael Messmer
    Posted at 06:01h, 07 April Antworten

    Hallo Christine, vielen lieben Dank für diesen wunderbaren Motivationsartikel! Ja ich kenn das leider auch und lass mich dann viel zu oft von dieser Miesepeterstimmung runter ziehen! Beim nächsten Mal denk ich an Dich!
    Liebe Grüße
    Michael
    (Messmer, Workshop Rügen mit Stefan Imig)

    • Christine Averberg
      Posted at 10:45h, 07 April Antworten

      Hallo Michael, vielen Dank für deine nette Nachricht! Es freut uns sehr, dass der Artikel dich anspricht. Wir kennen das auch nur zu gut, nicht umsonst sind wir auf die Idee zu dem Thema gekommen. 😄 Liebe Grüße, Christine

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