Von Orchideen vor der Haustür, einem Kurzurlaub und einem Vogelseminar

Von Orchideen vor der Haustür, einem Kurzurlaub und einem Vogelseminar

Ihr seht es schon in der Überschrift: In den letzten 14 Tagen war viel los bei uns und wir waren kaum zu Hause. Doch es war wunderschön! So viele Eindrücke, neue Erlebnisse, Abenteuer, schmerzende Füße und erholsame Zeit, Informationen, Beobachtungen, Erkenntnisse… und das alles in so kurzer Zeit. Aber beginnen wollen wir heute – wie so oft – bei uns vor der Haustür.

Ein letzter Abend bei den Orchideen

Bevor wir in eine Woche mit unserem Camper gestartet sind, sind wir noch einen Abend bei „unseren“ Orchideen gewesen. Wenn ihr den letzten Artikel gelesen habt, wisst ihr ja, dass Daniel es bereits öfter dort probiert hat in der Hoffnung auf leuchtendes Abendlicht – doch er war immer leer ausgegangen. Dieses Mal hat es dann geklappt, zumindest eine Zeit lang. Die Sonne schien golden durch die Bäume am Rande der Wiese und zauberte wunderschöne Lichtspots auf die Pflanzen. Allerdings erschwerte der doch recht kräftige Wind an diesem Abend den exakten Bildaufbau – so mussten wir so manches doch dem Zufall überlassen. Ein Wolkenband im Westen verriet, dass das letzte Licht wieder mal verschluckt werden würde. Mücken umschwirrten uns, ein Reh rief aus der Ferne und wir gaben unser bestes, das verbleibende Licht zu nutzen.

Die Pflanzen selbst waren beeindruckend groß. Während die meisten Exemplare des Brandknabenkrauts mittlerweile in der immer höher wachsenden Wiese verschwinden, gibt es, wie in jedem Jahr, eine Hand voll Pflanzen, die locker einen halben Meter hoch werden! Sie überragen alles andere und präsentieren sich stilvoll wie mächtige Königinnen. Passender Weise stehen sie noch dazu auf einer kleinen Anhöhe Richtung Westen, sodass sie absolut perfekt geeignet sind, um sie fotografisch in Szene zu setzen.

Im Speckgürtel von Berlin

Über Pfingsten – und noch ein paar Tage länger – waren wir rund um Berlin unterwegs. Auslöser für diese Reise waren zwei Konzertkarten für die Philharmonie, die uns eine liebe Kollegin überlassen hat. Und so schauten wir uns das eine oder andere wirklich faszinierend vielfältige Naturschutzgebiet an. Am ersten Abend landeten wir nach einer anstrengenden Fahrt auf einem Stellplatz direkt am See, sodass wir den nächsten Morgen mit einem Kaffee und einer spontanen Runde im Wasser starten konnten. Nach dem Frühstück machten wir uns dann auf in den Wald. Wir waren völlig überrascht, denn mit so einer Artenvielfalt bei den Vögeln und so vielen Spuren von großen Säugetieren hatten wir nicht gerechnet. Außerdem gab es einige uralte Bäume, vor denen wir staunend einige Minuten stehen blieben. Fotografisch brachte dieser Tag nichts, denn angesichts des Wetters – Hitze und praller Sonnenschein – hatten wir die Kameras gar nicht erst mitgenommen.

Nachdem wir dann völlig verschwitzt wieder am Camper ankamen, sprangen wir noch mal in den See und suchten uns anschließend einen neuen Stellplatz, denn wie ihr euch vorstellen könnt, ist ein Platz am See nicht unbedingt der ruhigste Ort. Und so landeten wir auf einem total abgelegenen Platz in der Nähe von Fischteichen und einem großen Wald. Die Ausgangslage war perfekt. Abends gingen wir direkt hinunter zu den Teichen, wo wir wieder eine große Artenvielfalt entdecken konnten. Auch fotografisch war hier einiges möglich, zumal die Sonne zwischen den Schilfhalmen unterging.

Am nächsten Tag schauten wir uns den Wald an, von dem wir dann doch etwas enttäuscht waren. Wir hatten auf ein ähnlich uriges und spannendes Waldstück gehofft, landeten aber in einem verhältnismäßig jungen Forst. Trotzdem hatten wir eine spannende Wanderung und schöne Erlebnisse unterwegs. Abends ging es wieder hinunter zu den Teichen, wo wir wieder den Sonnenuntergang genossen und in Szene setzten. Am Folgetag ließen wir es langsam gehren, denn am Nachmittag mussten wir uns bereits auf den Weg in die Hauptstadt machen. Da ich, Christine, vorher noch nie dort war, machten wir eine Runde Speed-Sightseeing. Reichstag, Brandenburger Tor und Siegessäule wurden auf einem kurzen Spaziergang „abgearbeitet“. Dann gönnten wir uns ein leckeres Essen und machten uns auf zum Konzert.

Obwohl wir am nächsten Tag eigentlich früh Richtung Heimat aufbrechen wollten, schauten wir uns vor der Abreise noch ein weiteres Gebiet an, denn unseren Stellplatz für die Nacht hatten wir mitten in diesem Gebiet. Aus einem kurzen Besuch wurden dann doch fast 10 Kilometer Wanderung in der prallen Sonne. Doch auch hier hat es sich gelohnt. Nicht fotografisch, aber für die Seele. 🙂

Unser Highlight in diesen Tagen war definitiv, dass wir ein Pärchen Pirole beim Nestbau beobachten konnten. Immer wieder flogen die beiden fast lautlos zum Nest, um es mit Spinnweben, dünnen Birkenrindenschichten oder anderem flauschigen Material auszustatten. Immer wieder drückte das Weibchen seinen Bauch in das Nest, um es noch breiter zu machen. Währenddessen begleitete das Männchen seine Angebetete auf Schritt und Tritt und Flügelschlag. Niemals war sie alleine zu sehen. Und immer wieder hörten wir seinen unverwechselbaren Ruf. Das war ein Erlebnis, das wir wohl für immer in unseren Herzen tragen.

Vogelseminar 2/4

Am Mittwochabend kamen wir vom Kurzurlaub zurück und am Freitag ging es dann direkt weiter. Der zweite von vier Teilen unseres Vogelseminars vom NABU Ruhr stand an. Ich habe mich an diesen Tagen vor allem auf Beobachtungen konzentriert, denn mein RF 200-800 ist aktuell in der Reparatur – und ein anderes Objektiv ist hier nicht sinnvoll einsetzbar. Doch Daniel hat sich trotz der Hitze mit seiner Ausrüstung auf den Weg gemacht und konnte das eine oder andere Foto machen. Während wir beim letzten Mal vor allem Greifvögel wie Rotmilane und Seeadler beobachten konnten, ging es dieses Mal viel um Vögel der Offenlandschaft. Schwarz- und Blaukehlchen waren zu sehen, Baumpieper ohne Ende, Weißstörche, Kuckuck, Dorngrasmücke und viele mehr. An den Kleingewässern zeigten sich Zwegtaucher, Kiebitze, Löffelenten, Rohrammer, Flussseeschwalbe und sogar einige Löffler. Vieles Davon waren „nur“ Beobachtungen; sie waren nur mit dem Fernglas oder besser mit dem Spektiv zu sehen, fotografisch aber nicht nutzbar.

Doch wie sagen wir immer? Ein ästhetisches Foto von einer Hohltaube oder einem anderen gewöhnlichen Vogel ist uns tausend mal lieber als ein Belegfoto von einer seltenen Art. Wir sind, auch wenn es hier anders klingen mag, keine Artenjäger. Wir freuen uns natürlich sehr über Beobachtungen oder vor allem auch Fotos von seltenen Tieren. Aber in der Fotografie steht die Ästhetik klar im Vordergrund.

Ausblick

Am kommenden Wochenende steht schon der dritte Teil des Vogelseminars an! Wir freuen uns schon sehr darauf, noch mehr spannende Beobachtungen zu machen und interessante Details zu erfahren. Ansonsten werden wir wohl vor allem bei uns vor der Tür unterwegs sein – mal gucken, was uns hier erwartet! 🙂

Bis dahin, bleibt gesund und kreativ!

Christine

naturgezwitscher

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